Kleininvasive Thermokoagulation der Facettengelenke
Mit Hitzesonde gezielt Rückenschmerzen lindern
Rückenschmerzen sind zu einer echten Volkskrankheit geworden: Pro Jahr werden alleine in Deutschland 31 Millionen Fälle von Rückenschmerzen behandelt. „Sehr häufig beruhen Rückenschmerzen auf einer Abnutzung der so genannten Facettengelenke an der Wirbel-säule“, weiß Dr. Marina Merk aus ihrer täglichen Arbeit in der Gemeinschaftspraxis „Orthopädie Mühleninsel“ zu berichten.
Schmerzhafter Teufelskreis
„Körperliche Über- oder Fehlbelastung, Verformungen der Wirbelsäule, aber auch Entzündungen, Übergewicht und Muskelschwäche begünstigen eine Arthrose der Facettengelenke, vor allem im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule“, sagt die Orthopädin und Schmerztherapeutin. Die Facetten- oder Wirbelbogengelenke, die jeweils zwei Wirbelkörper miteinander verbinden, steuern die Beweglichkeit der Wirbel. Durch Fehlbelastung und Alterung kommt es zu Abrieb und einer Entzündung der Gelenke mit Kapselschwellung und -verdickung. Dadurch können die Nervenaustrittsstellen an den Wirbelkörpern verengen. Häufige Folge: eine erhöhte Druckempfindlichkeit im Bereich der Lendenwirbelsäule sowie oft lang anhaltende und teils sehr unangenehme tief sitzende Rückenschmerzen. Die Schmerzen können dann rasch in einen Teufelskreis aus Schmerzen, Fehlhaltung, Muskelverspannung und damit weiteren Schmerzen führen.
Sind Nerven „genervt“?
Bei der körperlichen Untersuchung weisen der so genannte Druck- bzw. Federungsschmerz über den Wirbelgelenken, die Schmerzverstärkung beim Rückbeugen des Rumpfes und die Bewegungseinschränkung der Lendenwirbelsäule auf eine Arthrose der Facettengelenke hin. Gesichert wird die Diagnose vor allem durch eine Röntgenaufnahme, genauer noch durch eine Magnetresonanz- (MRT) oder Computertomografie (CT). „Mit den neueren bildgebenden Verfahren wie MRT und CT können auch Weichteile wie Bandscheiben, Bänder, Nerven dargestellt werden“, sagt Dr. Marina Merk. Damit lässt sich sehr zuverlässig bestimmen, wo und wie die Nerven „genervt“ sind.
Hitze unterbricht Schmerzleitung
„Sind abnutzungsbedingte Veränderungen der Wirbelgelenke die Ursache für die Rücken- schmerzen, kann die Behandlung der Wirbelgelenke mit einer Hitzesonde eine sehr überzeugende Therapieoption sein“, sagt Dr. Marina Merk. Thermokoagulation der Facetten- gelenke – so heißt in der Fachsprache der Mediziner der kleine Eingriff, der aber eine große Wirkung haben kann. Unter Bildwandler-Kontrolle wird eine Thermosonde punktgenau in den Bereich der Schmerz auslösenden Nervenfasern eingebracht. Auf diese Weise wird ein kleiner Bereich des Nervs verödet und damit die Weiterleitung der Schmerzen zum Gehirn unterbrochen.
Wie eine Spritzengabe
„Der Eingriff, der für die Patienten vergleichbar einer Injektion an der Wirbelsäule ist, geht schnell, wird ambulant durchgeführt und benötigt nur eine örtliche Betäubung“, skizziert Dr. Marina Merk einige der Vorzüge. Mit der Thermokoagulation können Rücken- schmerzen bis zu einem Jahr gelindert oder sogar ausgeschaltet werden. „Treten die Schmerzen dann erneut auf, kann die Thermokoagulation wiederholt werden“, so die Expertin. Die hohe Erfolgsquote des Eingriffs spricht für sich und wird von den Kassen übernommen. Trotzdem darf nicht vergessen werden, dass das Verfahren nur den Schmerz, aber nicht die Ursachen bekämpft.


